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Jede Stufe beleuchten oder jede zweite? Treppenbeleuchtung richtig verteilen

Eichentreppe mit drei seitlich in die Wand eingelassenen quadratischen LED-Leuchten, die die Stufen in warmem Licht beleuchten
Seitlich eingelassene Wandleuchten leuchten die Stufen einer Holztreppe aus.

Wer eine Treppe mit Wandeinbau- oder Stufenleuchten ausstattet, steht schnell vor der Frage: eine Leuchte pro Stufe oder nur jede zweite? Die Antwort ist keine Geschmacksfrage allein, sondern lässt sich ziemlich genau herleiten. Entscheidend ist, wie viele Stufen eine einzelne Leuchte tatsächlich mit Licht versorgt. Dieser Artikel zeigt, wie Abstrahlwinkel, Montagehöhe und Stufenmaße zusammenhängen, wann jede Stufe nötig ist, wann jede zweite reicht und wie du auf geraden und gewendelten Treppen symmetrisch verteilst.

Wichtigste Antwort / Kurzfassung

Als Faustregel gilt: Jede zweite Stufe reicht, wenn die Leuchte breit genug strahlt, grob ab einem Abstrahlwinkel von etwa 100°. Bei engeren Lichtaustritten (um 60° und darunter) erreicht eine Leuchte nur etwa eine Stufe, dann ist jede Stufe zu beleuchten. Jede dritte Stufe funktioniert mit punktförmigen Treppenleuchten kaum, weil dafür ein sehr breiter Winkel nötig wäre. Sie ist nur sinnvoll, wenn zusätzlich anderes Licht (Deckenlicht, Handlauf, Orientierungslicht) die Zwischenstufen versorgt.

Das Kriterium dahinter ist die Überlappung: Die Lichtflächen benachbarter Leuchten müssen sich auf den Stufen berühren oder überlappen, damit keine Kante im Schatten liegt. Ob das erreicht ist, hängt von Montagehöhe und Abstrahlwinkel ab, nicht von der Stückzahl allein. Die Stückzahl ergibt sich dann aus der Stufenzahl und dem gewählten Intervall.

Alle Zahlen in diesem Artikel sind Planungswerte aus einem vereinfachten Rechenmodell. Die Lichtverteilung einer realen Leuchte steht in ihrem Datenblatt, und eine Probebeleuchtung bei Dunkelheit ersetzt jede Rechnung.

Technischer Hintergrund

Wie groß ist die Stufe eigentlich?

Für Treppen in Wohngebäuden legt die DIN 18065 Grenzwerte fest: Die Steigung (Höhe einer Stufe) liegt üblicherweise zwischen 14 und 20 cm, der Auftritt (Tiefe der Trittfläche) zwischen 23 und 37 cm. Zwischen beiden gilt die Schrittmaßregel: 2 × Steigung + Auftritt ergeben etwa 63 cm (zulässig sind rund 59 bis 65 cm).

Für die Planung verwenden wir ein typisches Maß: 18 cm Steigung, 27 cm Auftritt (2 × 18 + 27 = 63 cm). Daraus folgt:

  • Die Treppe steigt mit etwa 34° (arctan 18/27).
  • Von Stufenkante zu Stufenkante sind es entlang der Treppenneigung rund 32 cm.

Diese 32 cm sind der Abstand, den eine Leuchte pro Stufe „überbrücken“ muss.

Wie viele Stufen leuchtet eine Leuchte aus?

Wir betrachten eine Wandleuchte, die in etwa 30 cm Höhe über der Stufenvorderkante sitzt. Das ist die Größenordnung, die TR-01 für niedrig sitzende Stufenleuchten nennt. Senkrecht zur Treppenneigung entspricht das einem Abstand von etwa 25 cm (30 cm × cos 34°). Strahlt die Leuchte in dieser Richtung auf die Stufen, ergibt sich ein Lichtfleck, dessen Durchmesser vom Abstrahlwinkel α abhängt:

Durchmesser des Lichtflecks = 2 × 25 cm × tan(α ÷ 2)
Stufen pro Lichtfleck       = Durchmesser ÷ 32 cm
AbstrahlwinkelDurchmesser des LichtflecksStufen pro Leuchte
30°ca. 13 cmca. 0,4
60°ca. 29 cmca. 0,9
90°ca. 50 cmca. 1,5
120°ca. 87 cmca. 2,7

Daraus lassen sich die Mindestwinkel für die drei Intervalle ableiten, bei denen sich die Lichtflecke am Rand (bei halber Lichtstärke) berühren:

IntervallAbstand der Leuchten entlang der Treppenötiger Abstrahlwinkel (Modell)
jede Stufeca. 32 cmab ca. 65°
jede zweite Stufeca. 65 cmab ca. 105°
jede dritte Stufeca. 97 cmab ca. 125°

Warum reichen die Ränder bei halber Lichtstärke? Zwei benachbarte Lichtkegel, die sich genau dort berühren, addieren sich in der Zwischenzone grob wieder auf den vollen Wert. Die Beleuchtung bleibt dann einigermaßen gleichmäßig. Liegt der Abstand darüber, entstehen helle Inseln und dunkle Zwischenstufen.

Was dieses Modell nicht abbildet: Reale Stufenleuchten haben meist eine asymmetrische Lichtverteilung (mehr Licht nach unten und zur Treppenmitte), strahlen schräg statt senkrecht auf die Treppenebene und verlieren Licht an Wand und Geländer. Die Werte zeigen das Prinzip, sie sind keine Garantie. Wie der Abstrahlwinkel definiert ist und wie du Lichtkegel berechnest, erklärt der Artikel Abstrahlwinkel bei LED-Leuchten.

Warum nicht einfach immer jede Stufe?

Jede Stufe zu beleuchten klingt sicher, hat aber Nachteile:

  • Mehr Leuchten, mehr Leitungen und Kosten, besonders im Bestand.
  • Optik: Eine Reihe gleicher Lichtpunkte kann wie eine Landebahn wirken. Das ist Geschmackssache, aber ein häufiger Grund für größere Abstände.
  • Blendung: Mehr sichtbare Lichtquellen im Blickfeld erhöhen das Risiko, geblendet zu werden, wenn die Leuchten nicht gut abgeschirmt sind.

Und warum nicht seltener?

Zu große Abstände haben Folgen für die Sicherheit: dunkle Zwischenstufen, Kanten, die du nur erahnst, und harte Schlagschatten. Gerade im Abwärtsgehen ist eine erkennbare Stufenkante wichtiger als Stimmung.

Planung / Auswahl / Berechnung

Entscheidungshilfe: Welches Intervall passt?

SituationEmpfehlung
Gerade Treppe, Leuchten mit breitem Lichtaustritt (ab ca. 100°)Jede zweite Stufe
Leuchten mit schmalem Lichtaustritt (um 60° oder weniger)Jede Stufe
Gewendelte TreppeJede Stufe, besonders auf der Innenseite
Nutzer mit Sehschwäche, Kinder, ältere MenschenJede Stufe oder zusätzliche Handlauf- bzw. Kantenbeleuchtung
Sehr niedrige Montagehöhe (unter ca. 25 cm)Jede Stufe, weil der Lichtfleck klein bleibt
Zusätzliches Deckenlicht oder Handlaufbeleuchtung vorhandenJede zweite oder dritte Stufe möglich, Leuchten dienen als Orientierung

Diese Zuordnung ist eine Orientierung, keine Norm. Für private Wohnbereiche gibt es keine verbindliche Vorgabe zur Stückzahl von Treppenleuchten.

Symmetrisch verteilen: Anfang und Ende nicht vergessen

Damit das Licht ruhig wirkt, sollten die Leuchten ein erkennbares Muster bilden, und die erste und letzte Stufe sollten Licht bekommen. Das erste Stufenpaar und der Treppenaustritt sind die Stellen, an denen die meisten Fehltritte passieren.

  • Ungerade Stufenzahl, jede zweite Stufe: Das Muster geht auf. Bei 15 Stufen sitzen Leuchten an den Stufen 1, 3, 5 … 15, also 8 Leuchten, und beide Enden sind markiert.
  • Gerade Stufenzahl, jede zweite Stufe: Eine Seite bleibt offen. Bei 14 Stufen sitzen Leuchten an 1, 3, 5 … 13 (7 Leuchten), die Stufe 14 liegt bereits am Podest oder Flur. Lasse das Licht dort vom Flur oder von einer zusätzlichen Leuchte übernehmen, sonst endet die Treppe im Dunkeln.
  • Versetzt von beiden Seiten: Links sitzen Leuchten an den Stufen 1, 3, 5 …, rechts an 2, 4, 6 …. Dadurch ist jede Stufe beleuchtet, und jede Wandseite hat nur jede zweite Leuchte. Das ist ruhig im Bild, braucht aber Leitungen auf beiden Seiten.

Beispiel: Gerade Treppe mit 14 Stufen, Leuchten mit breitem Lichtaustritt.

LösungLeuchtenHinweis
Jede Stufe, eine Wandseite14gleichmäßig, mehr Aufwand
Jede zweite Stufe, eine Wandseite7Ende am Podest prüfen
Jede zweite Stufe, versetzt beidseitig14 (7 je Seite)jede Stufe beleuchtet, ruhiges Bild

Gewendelte Treppen

Bei Wendeltreppen und viertelgewendelten Treppen sind die Stufen an der Außenseite breit und auf der Innenseite schmal. Dort liegen die Kanten dichter beieinander, und es ist schwerer zu erkennen, wo die Stufe endet. Plane deshalb engere Abstände, entweder jede Stufe oder eine zusätzliche Kantenbeleuchtung. Leuchten, die nur von der Außenwand strahlen, erreichen die schmale Innenseite aus größerer Entfernung und mit flacherem Winkel. Das erhöht die Gefahr von harten Schatten. Ergänzend helfen Licht im Handlauf oder in der Setzstufe.

Wandleuchten mit größerer Fläche: andere Rechnung

Das Modell oben gilt für niedrig sitzende Stufenleuchten mit gerichtetem Licht. Wandleuchten mit Up-/Down-Licht oder diffusem Licht sitzen höher (oft 1,60 bis 1,80 m) und bringen das Licht großflächig an die Wand und auf die Treppe. Hier steht nicht die einzelne Stufe im Vordergrund, sondern die Gesamthelligkeit im Treppenraum. Der Abstand ergibt sich dann eher aus der Wandlänge als aus dem Stufenmaß. Die Montage in beiden Varianten ist im Pillar-Artikel Treppenbeleuchtung planen beschrieben.

Wie wähle ich passende Leuchten?

Achte im Datenblatt auf:

  • den Abstrahlwinkel und ob er als Halbwertswinkel angegeben ist,
  • die Lichtverteilung (symmetrisch oder asymmetrisch) und die Hauptrichtung des Lichts,
  • die Abschirmung, damit die Leuchte beim Gehen nicht blendet,
  • die Einbautiefe (bei Wandeinbau) und die Montagehöhe, für die der Hersteller die Leuchte vorsieht.

Passende Treppenleuchten gibt es mit unterschiedlichen Lichtaustritten. Vergleiche die Angaben zu Lichtaustritt und Abstrahlwinkel mit dem Intervall, das du planst.

Praktische Umsetzung

  1. Treppe vermessen: Steigung, Auftritt, Stufenzahl, Lauflänge, Wandmaterial.
  2. Leuchten und Lichtaustritt wählen: Angaben im Datenblatt notieren (Winkel, Verteilung, Montagehöhe).
  3. Intervall anhand der Tabelle festlegen: Abstrahlwinkel gegen die Mindestwinkel prüfen.
  4. Anfang, Ende und Podeste markieren: Zusätzliche Leuchten dort einplanen, wo das Muster nicht aufgeht.
  5. Positionen am Bauteil anzeichnen und mit Probebeleuchtung testen: Leuchte oder Attrappe halten, Treppe in beide Richtungen bei Dunkelheit gehen, auf Blendung und dunkle Kanten achten.
  6. Leitungen und Netzteile planen: Unterputzdosen, Leerrohre, Platz für Treiber oder Netzteile. Arbeiten an der Netzspannung führt eine Elektrofachkraft aus.
  7. Steuerung festlegen: Schalter oder Sensor am Treppenanfang und -ende, optional Orientierungslicht in der Nacht.

Typische Fehler

  • Nur nach Stückzahl gerechnet, ohne den Lichtaustritt zu prüfen: Zu wenige Leuchten bei schmalem Winkel führen zu Lichtinseln.
  • Letzte Stufe ohne Licht: Bei gerader Stufenzahl und jedem zweiten Intervall bleibt das Ende dunkel.
  • Leuchten auf Augenhöhe: Beim Abwärtsgehen blenden sie stark.
  • Alle Leuchten in einer geraden Linie, aber Treppe gewendelt: Das Muster passt nicht zur Treppengeometrie.
  • Wandfarbe ignoriert: Dunkle Wände schlucken Licht, die Stufen wirken dunkler als berechnet.
  • Kein Test vor dem Verputzen: Positionen lassen sich nachher kaum noch ändern.

Fazit

Ob jede Stufe oder jede zweite beleuchtet wird, entscheidet der Abstrahlwinkel zusammen mit der Montagehöhe: Bei etwa 25 cm Abstand zur Treppenebene braucht jede Stufe grob 65°, jede zweite etwa 105° und jede dritte etwa 125°. Mit breit strahlenden Wandleuchten ist jede zweite Stufe ein guter Kompromiss, mit schmalen Lichtaustritten und auf gewendelten Treppen sollte jede Stufe Licht bekommen. Achte darauf, dass Anfang und Ende beleuchtet sind, und teste die Verteilung vor dem Einbau.

Häufige Fragen

Muss jede Stufe beleuchtet werden?

Nicht zwingend. Es kommt darauf an, ob die Leuchten so breit strahlen, dass die Zwischenstufen mitbeleuchtet werden. Für private Treppen gibt es keine Pflicht zu einer bestimmten Anzahl. Entscheidend sind erkennbare Stufenkanten und Blendfreiheit.

Reicht jede zweite Stufe?

Bei Leuchten mit breitem Lichtaustritt (ab etwa 100°) und gerader Treppe ja. Bei schmalem Lichtaustritt oder gewendelter Treppe nicht. Prüfe außerdem, ob erste und letzte Stufe Licht bekommen.

Wie viele Treppenleuchten brauche ich für 14 Stufen?

Bei jeder Stufe 14, bei jeder zweiten Stufe 7 (plus gegebenenfalls eine Leuchte am Ende oder Podest). Dazu kommen Leuchten für Podeste oder Flur. Eine ausführlichere Berechnung folgt im Artikel zur Anzahl der Treppenleuchten (in Vorbereitung).

In welcher Höhe sollen die Leuchten sitzen?

Für niedrig sitzende Stufenleuchten wird häufig eine Höhe von rund 30 cm über der Stufe genannt. Der Hersteller gibt oft eine empfohlene Montagehöhe an. Wichtig: Je niedriger die Leuchte sitzt, desto kleiner ist der Lichtfleck, und desto enger muss der Abstand sein.

Wie verteile ich Leuchten auf einer Wendeltreppe?

Eher dichter, am besten jede Stufe, und besonders im Bereich der schmalen Innenseite. Ergänzend kann Licht im Handlauf die Orientierung erleichtern.

Quellen

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