Das Netzteil ist das Herzstück jeder LED-Installation – und gleichzeitig die häufigste Fehlerquelle. Ein zu schwaches Netzteil überhitzt, ein zu starkes verschwendet Geld. In diesem Artikel lernst du Schritt für Schritt, wie du die richtige Leistung berechnest, warum Reserve wichtig ist und was Spannungsabfall bedeutet.
Netzteil berechnen: Die Grundformel
Die Berechnung ist einfach:
Gesamtleistung (W) = Watt pro Meter × Länge in Metern
Die Wattzahl pro Meter findest du im Datenblatt deines LED-Streifens. Typische Werte:
| Streifen-Typ | Typisch W/m | Einsatzgebiet |
|---|---|---|
| Einfarbig Standard | 4,8 – 10 W/m | Akzentlicht, Orientierung |
| Einfarbig hell | 10 – 20 W/m | Arbeitslicht, Küchenzeile |
| CCT (Dual White) | 8 – 18 W/m | Wohnräume, variable Stimmung |
| RGB | 7 – 14 W/m | Akzente, Gaming, Party |
| RGBW / RGB+CCT | 12 – 24 W/m | Alles-in-einem-Lösung |
Warum du immer 20–30 % Reserve brauchst
Ein Netzteil, das dauerhaft bei 100 % Last läuft, hat mehrere Probleme:
- Es wird unnötig heiß und die Lebensdauer sinkt drastisch
- Es kann bei Spannungsspitzen abschalten oder brummen
- Die Spannung sackt leicht ab, was zu Flackern oder Dimmerproblemen führen kann
Die erweiterte Formel lautet daher:
Netzteil-Leistung = Gesamtleistung × 1,25 (für 25 % Reserve)
Ein Netzteil, das bei 75–80 % seiner Maximalleistung arbeitet, läuft kühler, leiser und hält deutlich länger.
Rechenbeispiel 1: Einfache Küchenbeleuchtung
Situation: Du willst 3 Meter einfarbigen LED-Streifen (warmweiß, 24V) unter die Oberschränke kleben. Der Streifen hat 9,6 W/m.
- Gesamtleistung: 3 m × 9,6 W/m = 28,8 W
- Mit 25 % Reserve: 28,8 W × 1,25 = 36 W
- Nächste verfügbare Netzteilgröße: 40 W oder 60 W
Ein 60-W-Netzteil wie das Mean Well LPV-60-24 (24V, 2,5A, IP67) wäre hier perfekt – es läuft locker bei unter 50 % Last und bleibt kühl.
Rechenbeispiel 2: RGB+CCT im Wohnzimmer
Situation: 8 Meter RGB+CCT-Streifen (24V, 18 W/m) für eine Voutenbeleuchtung an der Decke.
- Gesamtleistung: 8 m × 18 W/m = 144 W
- Mit 25 % Reserve: 144 W × 1,25 = 180 W
- Nächste Netzteilgröße: 200 W
Alternativ: Zwei 100-W-Netzteile verwenden und den Streifen von zwei Seiten einspeisen. Das verteilt die Last und reduziert den Spannungsabfall.
Spannungsabfall: Warum das Ende dunkler wird
LED-Streifen haben dünne Leiterbahnen. Je länger der Streifen, desto mehr Spannung geht auf dem Weg verloren. Das Ergebnis: Die LEDs am Ende leuchten dunkler als am Anfang. Bei RGB-Streifen kann es zusätzlich zu Farbverschiebungen kommen.
Faustregel:
- 12V-Streifen: Ab ~3 Metern wird der Spannungsabfall sichtbar
- 24V-Streifen: Ab ~5 Metern solltest du nachdenken
Lösung: Beidseitige oder mehrfache Einspeisung
Statt den Strom nur an einem Ende einzuspeisen, kannst du:
- Beidseitig einspeisen: Kabel an beiden Enden anschließen (gleiches Netzteil). Die Spannung bleibt über die gesamte Länge stabil.
- Zwischeneinspeisungen setzen: Bei sehr langen Strecken (über 8–10 m) speist du alle 3–5 Meter zusätzlich ein.
Wichtig: Alle Einspeisungen müssen vom selben Netzteil kommen (oder von Netzteilen mit gleicher Ausgangsspannung). Mische niemals verschiedene Spannungen!
Kabelquerschnitt: Welches Kabel für welche Strecke?
Zwischen Netzteil und LED-Streifen liegt oft ein Stück Kabel. Auch hier geht Spannung verloren – umso mehr, je dünner und länger das Kabel ist.
| Kabelquerschnitt | Max. Strom (empfohlen) | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| 0,5 mm² | ~3 A | Kurze Strecke, wenig LEDs |
| 0,75 mm² | ~5 A | Standardanschlüsse |
| 1,0 mm² | ~7 A | Längere Wege, mehr Leistung |
| 1,5 mm² | ~10 A | Hauptleitungen, große Installationen |
Faustregel: Für die meisten LED-Projekte reicht 0,75 mm² bei kurzen Strecken (unter 2 m). Ab 3 Metern Kabellänge oder Strömen über 5 A lieber 1,5 mm² nehmen.
Die richtige Netzteil-Bauform wählen
Nicht nur die Leistung zählt – auch die Bauform muss zum Einsatzort passen:
| Bauform | Vorteil | Einsatzort |
|---|---|---|
| Steckernetzteil | Einfach, sofort einsatzbereit | Kleine Projekte, Möbelbeleuchtung |
| Hutschienennetzteil | Kompakt, für Schaltschrank | Fest verbaute Installationen |
| IP67-Netzteil (vergossen) | Wasserdicht, robust | Außenbereich, Feuchträume, Vouten |
| Offenes Netzteil (Lochblech) | Gute Kühlung, günstig | Nur im geschlossenen Gehäuse |
Für die meisten DIY-Projekte empfehle ich IP67-Netzteile (z. B. von Mean Well oder LongLife-LED). Sie sind vergossen, laufen lautlos und können auch in Vouten oder hinter Möbeln verbaut werden, ohne dass Kühlung ein Problem wird.
Passende Netzteile in verschiedenen Leistungsstufen findest du z. B. bei LongLife-LED.de – dort gibt es auch das praktische SETLINK-Stecksystem, das Netzteil und Controller direkt verbindet.
Checkliste: Netzteil richtig auswählen
- ✔ Spannung passt zum Streifen (12V oder 24V – nicht mischen!)
- ✔ Leistung berechnet: W/m × Meter × 1,25
- ✔ Nächstgrößere Standard-Leistungsstufe gewählt
- ✔ Bauform zum Einsatzort passend (IP67 für Feucht/Außen)
- ✔ Kabelquerschnitt passend zur Strecke gewählt
- ✔ Bei langen Strecken (>5 m): Beidseitige Einspeisung geplant
Fazit
Die Netzteil-Berechnung für LED-Streifen ist kein Hexenwerk: Watt pro Meter mal Länge, dann 25 % drauf – fertig. Vergiss nicht, den Spannungsabfall bei längeren Strecken im Blick zu behalten und im Zweifel lieber ein Nummer größer zu wählen. Ein leicht überdimensioniertes Netzteil schadet nicht – ein unterdimensioniertes schon.
Du weißt noch nicht, welchen LED-Streifen du brauchst? Dann lies zuerst unseren Artikel LED-Streifen richtig auswählen. Und wenn dein Streifen flackert oder Probleme macht, findest du dort die häufigsten Ursachen.

Vielen Dank für die verständliche Erklärung! Ich stand gerade im Baumarkt und war völlig überfordert mit den ganzen Watt-Angaben. Besonders der Hinweis mit der 10 % Leistungsreserve war goldwert – hätte fast ein zu knapp bemessenes Netzteil gekauft. Jetzt leuchtet mein Küchenregal gleichmäßig und das Netzteil wird nicht mal handwarm. Top Artikel!
Spannendes Thema, vor allem der Teil zum Spannungsabfall wird oft unterschätzt. Ich plane gerade ein Projekt mit 10 Metern RGBW-Streifen am Stück. Reicht es da aus, das Netzteil mittig einzuspeisen, um den Helligkeitsverlust am Ende zu vermeiden, oder würdet ihr bei der Länge eher zu einer beidseitigen Einspeisung raten? Freue mich auf eure Einschätzung!